Karlskirche mit einem Konzert wieder zum Leben erweckt

Karlskirche mit einem Konzert wieder zum Leben erweckt
Tiroler Tageszeitung 7. Juli 1986

(mmb) Mit allen Vorzeichen eines lokalen Großereignisses, wie verkehrsdirigierender Feuerwehr, festlich Gewandeter, Bürgermeister, Honoratioren nebst von nah und fern Angereister, fand Freitag abend - als ein Höhepunkt der Feiern zum 100jährigen Bestand der Senseler-Musikkapelle Volders - ein lange und sorgsam geplantes Kirchenkonzert statt. Ort des Ereignisses: Das sich an den Berghang schmiegende, wunderschön gelegene, nach jahrelangen Renovierungsarbeiten nunmehr fast fertig gestellte Juwel barocker Kirchenbaukunst, die Karlskirche nächst Volders, Tirol.

In einer kurzen Ansprache begrüßte der Prior des angeschlossenen Servitenklosters die Gäste, nahm Bezug auf die Stilepoche beziehungsweise die Entstehungszeit der für das Konzert vorgesehenen Kompositionen sowie auf Baustil, Fresken und Gemälde des Gotteshauses.

Der Bläserkreis Innsbruck, ein professionell wirkendes, auf alten, eng mensurierten Instrumenten spielendes, stilsicheres, atem- wie grifftechnisch hervorragend geschultes Ensemble machte mit der "Canzon Quarta" von Giovanni B. Grillo den Anfang. "In die resurrectionis meae" von Francesco Guami war die Visitenkarte des Chores der Hochschule Mozarteum Innsbruck. Eisern gehaltene Stimmung, gut gewählte Tempi, präzise in ihrer Logik für die alte Musik typische - Taktwechsel lassen eine gute Hand erkennen. Die Hand von Maestro Howard Arman, des seit kurzem in Tirol auch ansässigen Londoner Chormeisters mit hervorragendem Namen als Diri-gent und Lehrer, der auch das Konzert leitete. Gute alte englische Chortradition, auf ein als gundmusikalisch bekanntes Land wie Österreich übertragen, kann nur hervorragende Resultate erbringen.

Alle an diesem Abend gespielten Stücke waren gut gewählt und zum Teil exzellent musiziert. Erwähnt sei noch das Streicherensemble des Mozarteums, der nicht namentlich genannte, stilecht erklingende, knabenhafte vibratolose Sopran als bläsergirlandenumspielter Cantus Firmus, das hervorragend ausgestimmte "Die mit Tränen säen" von Heinrich Schütz sowie - als Ausklang des Konzertes - das Magnificat desselben Komponisten, eine bis in die heutige Zeit ihre Wirkung erhaltende Prachtkomposition des frühen 17. Jahrhundert.

Durch den für ein Kirchenkonzert ungewöhnlich starken und lange anhaltenden Applaus wurden Sänger, Instrumentalisten, Dirigent und Organisatoren gleichermaßen belohnt.

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